Betrachtung zum Heiligen Rosenkranz
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Rosenkranzgebet heute
Wie bete ich den Rosenkranz
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Von Joachim Kardinal Meisner

Die Perlen des Rosenkranzes sind wie die Spuren seiner (Jesu) Füße: „Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater“ (Joh 16,28). Wie viele Wege ist der Herr gegangen? Vom Himmel auf die Erde, dann kreuz und quer durch das Land, schließlich auf den Taborberg und hinab ins Kidrontal und am Ende wiederum hinauf auf Golgotha, hinab ins Grab, von dort hinauf in den Ostermorgen und dann wieder zurück von der Erde in den Himmel. Wir folgen dem Herrn von Perle zu Perle, von Gesätz zu Gesätz, von Geheimnissen der Jugend Jesu über die Leidensstationen; bis zur Auffahrt in den Himmel gehen wir den Weg Christi mit und steigen mit Maria bis zur Rechten des Vaters. Sein Weg ist ihr Weg. Auch unser Weg heißt: Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen. Ich verlasse die Welt wieder und kehre wieder zum Vater zurück. Eigentlich sollte man uns einmal auf dem Grabstein nicht die beiden Zahlen schreiben: Geboren am:... und gestorben am ..., dafür aber: Ich kam vom Vater und ging zum Vater. Beim Rosenkranzgebet gehen wir die gleichen Wege wie Jesus selbst. Er bewahrt uns vor Abwegen und Irrwegen. Mit dem Rosenkranz in der Hand kann man sich darum nicht verlieren.

Im Rosenkranz mit seinen fünf Geheimnissen ergreift der Beter gleichsam die Hand des Herrn mit ihren fünf Fingern. Der Beter sollte etwas in seiner Hand spüren, wenn er im Gebet nach der Hand Gottes greift. Aber die körperliche Hand will nicht ins Leere greifen. Wenn sie den Rosenkranz erfasst, weiß der Beter, dass er die helfende Hand Gottes ergreift. Deshalb ist der Rosenkranz in den Händen der Leidenden und Sterbenden so häufig anzutreffen, nicht als heidnischer Talisman, sondern als letzter Halt, wenn alle anderen Stützen fallen. Hier gibt sich der Christ wie Christus aus der Hand und empfiehlt sich in die Hände des Vaters. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lk 23,46). Hier ergreift der Beter die Hand Christi, die mit einer Bewegung den Leichenzug vor der Stadt Naim stoppte und den Sarg berührte, so dass der Tote lebendig wurde. Wir sollten uns diese Geste seiner Hand tief einprägen, da sie auch einmal unseren Sarg berühren wird, um den Tod ins Leben zu wandeln.

Die Perlen des Rosenkranzes sind das aufgereihte Wort Gottes. Die Perlen enthalten eigentlich alles, was zu wissen und zu glauben notwendig ist, um das ewige Leben zu gewinnen. Das ist zunächst das Kreuz am Anfang des Rosenkranzes. Vom Kreuz sagt der hl. Thomas von Aquin: Das Kreuz ist mein Buch, man liest es nie aus. An ihm beten wir das Glaubensbekenntnis. Das ist unsere Glaubenslehre. Dann kommen die ersten drei Ave Maria: Das ist unsere Lebenslehre: Glaube, Hoffnung und Liebe. Wir beten um diese drei göttlichen Tugenden. Dabei erinnern wir uns an das Wort des heiligen Paulus: Am größten unter ihnen ist die Liebe. Daran hängen alle anderen Gebote: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.

Ausschnitt aus: Fatima ruft, Dez 92 Friedrich Wirth Str.4 7964 Kisslegg 2